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Eine unscheinbare Felsnadel im Wallis

 

Die Aiguille de la Tsa bietet lohnende Granitkletterei

Das Wallis, geprägt von Matterhorn, Dom, Monte-Rosa-Massiv und vielen anderen Gipfelberühmtheiten, bietet ebenfalls interessante Gipfelziele unterhalb der viertausender Grenze.

Im Schatten der großen Bergriesen, ragt hoch über Arolla ein markanter, raketenähnlicher Obelisk empor. Mit lediglich 3668m ein niedriger Gipfel, im Verhältnis zu den anderen Bergprominenzen des Wallis. Allerdings bietet die Aiguille de la Tsa, durch ihren festen Granit und wegen ihrer exponierten Lage, herrliche Granitkletterei im gemäßigten Schwierigkeitsgrad.

Für die Ersteigung der Aiguille de la Tsa bieten sich zwei Möglichkeiten an:

Von Arolle steigt man zur fantastisch gelegnen Cabane de Bertol auf. Von dort auf dem Normalweg zum Wandfuß der Aiguille de la Tsa.

Eine weitere Möglichkeit besticht dagegen durch eine 900 Meter lange Gratkletterei im besten Walliser Granit. Als Ausgangspunkt für die Kletterei dient Arolla im Val d´Arolla. Zahlreiche Pensionen bzw. Hotels bieten mehr oder weniger billige und komfortable Übernachtungsmöglichkeiten an.

Von Arolla steigt man in ungefähr zwei Stunden zur Cabane de la Tsa (2607m) auf, dem alpinen Stützpunkt für die Klettertour. Lässt man den Blick von der Hütte gen Osten schweifen, fällt einem die markante Westrippe des Dent de Tsalion auf und lässt Vorfreude auf das Kommende erwachen.

Der Einstieg zum Westgrat des Dent de Tsalion befindet sich am tiefsten Punkt des Grates. Zahlreiche Steinmänner markieren den Weg zum Einstieg. Zirka eine Stunde von der Hütte. Die Kletterroute verläuft weitgehend in der unmittelbaren Nähe des Grates bzw. an der Gratschneide selbst. Oftmals können schwierige Kletterpassagen recht bzw. links von der Schneide umgangen werden, was uns eine nachfolgende Bergführerseilschaft eindrucksvoll demonstrierte. Die klettertechnischen Schwierigkeiten überschreiten niemals den vierten UIAA-Schwierigkeitsgrad. Jedoch Kletterer, die moderne Kletterpatschen gewohnt sind und hier mit schweren „Bollerschuhen“ steigen, werden zu kämpfen haben.

Für die Kletterei am Westgrat muss man ungefähr fünf Stunden kalkulieren. Allerdings nur dann, wenn man mehr als zweidrittel des Weges am kurzen Seil geht.

Oben, auf dem Dent de Tsalion (3589m) angekommen bietet sich eine kurze Rast an und dabei geht unweigerlich der Blick hinüber zur Aiguille de la Tsa mit ihrer markanten Form. Der Wandfuß der Aiguille de la Tsa ist über einen einfachen Gletscher schnell erreicht. Bei der Gletscherüberscheitung auf Spalten achten.

Vom Wandfuß klettert man nun durch eine nach links geneigte Verschneidung zu einem breiten Band.

Vor einem steilt sich jetzt eine hohe plattige Wand auf. Über diese markante Platte erreicht man nach zirka 80 Meter Kletterei, an ihren rechten oberen Ende, einen soliden Bohrhakenstand.

Nun wird die Platte an ihrem oberen Ende nach links gequert (III) und gelangt so zur Süd-Kante. Dieser folgt man bis zum Stand unter dem Gipfelaufbau (IV). Die Kante bietet ausgesetzte Kletterei im besten Granit und stellt gleichzeitig die Schlüsselstelle dar. Vor allem der Tiefblick ins Tal von Arolla lässt einem das Herz schneller schlagen.

Zur Beruhigung der Nerven befinden sich einige Bohrhaken im Fels auch Friends und Keile können gut platziert werden. Für die leichteste Anstiegsvariante quert man vom Standplatz unterhalb des Gipfelaufbaus nach rechts in die Nordseite. Über einen Kamin (II) wird der Gipfel (3668m) erreicht.

Es ist auch möglich, vom vorher genannten Standplatz nach links emporzusteigen und durch eine Verschneidung auf den Gipfel zu gelangen (IV).

Der kleine Gipfel bietet genügend Platz. Während einer kurzen Rast kann man die Seele entspannen und die Eindrücke des Gipfelpanoramas in sich aufnehmen.

Über die eingerichtete Abseilpiste wird der westseitige Wandfuß der Aiguille de la Tsa schnell erreicht.

Ab hier kann man nun über den Gletscher zur Cabane de Bertol absteigen.

Wir hingegen entschieden uns wieder zur Cabane de la Tsa zurückzukehren. Hierzu quert man westseitig unterhalb des Dent de Tsalion zu dessen Nordgrat und klettert diesen zum Point de Tsalion (3512m) ab - zirka 1,5 Stunden. Von dort führt eine markierter Abstiegsweg zurück zur Cabane de la Tsa.

 

 

 

 

 

 

Steckbrief

 

Höhe:

3668m

 

Talort:

Arolla im Val d´Arolla (2006m)

 

Tour:

Arolla (2006m) – Cabane de la Tsa (2607m) ca. 2 Stunden

Cabane de la Tsa (2607m) – Einstieg Westgrat Dent de Tsalion (ca. 2900m) ca. 1 Stunde

Einstieg Westgrat (ca. 2900m) – Dent de Tsalion (3589m) ca. 5 Stunden

Dent de Tsalion (3589m) – Aiguille de la Tsa (3668m) ca. 1,5 Stunden

Aiguille de la Tsa (3668m) – Cabane de la Tsa (2607m) ca. 3 – 4 Stunden

 

Schwierigkeit:

Die Kletterei am Westgrat des Dent de Tsalion und an der Aiguille de la Tsa überschreitet niemals den vierten Schwierigkeitsgrat.

Allerdings stecken im Westgrad fast keine Haken bzw. Bohrhaken. Der Grat ist fast vollständig selbst abzusichern. Um die Kletterzeit von 5 Stunden nicht zu überschreiten, ist es notwendig, mehr als zweidrittel des Weges am kurzen Seil zu gehen

Nach dem überklettern der „großen Platte“ an der Aiguille de la Tsa ist die Tour mit soliden Bohrhaken abgesichert.

Klemmkeile / Friends und Schlingen sind für die Absicherung der Kletterei notwendig.

Hinzu kommt noch die übliche Hochtourenausrüstung.

 

Charakter:

Die vorgestellte Tourenkombination bietet meist hervorragende Granit-Kletterei in gemäßigten Schwierigkeitsgraden. Oftmals wird die Gratkletterei in der Literatur auch mit der Badilekante verglichen.

 

Literatur:

Michael Weber; „Walliser Alpen“; Bergverlag Rother; 13. Auflage

Daniel Silbernagel; Stefan Wullschleger; „Walliser Alpen“; Topo Verlag Schweiz;
1. Auflage

Text:    Bernd Hetzel
Bilder: Stephan Mertens und Bernd Hetzel

 

Alle Angaben ohne Gewähr