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Jochberg - Rechte Eisrinne

 

Der Winter in den Bayerischen Alpen war bisher schneearm, so dass skitourenmäßig leider noch nichts ging. Zumindest war es aber jetzt, Mitte Januar, durchgängig kalt. Seit zwei Wochen liegen die Temperaturen konstant unter der Null-Grad-Grenze. Die Verhältnisse zum Eisklettern müssten am kommenden Wochenende optimal sein. Also sämtliche Kletterpartner abtelefonieren, wer Zeit zum Eisklettern hat. Das Eis kann nur geklettert werden, wenn es da ist. Es gibt wohl kaum eine andere Spielart beim Bergsteigen, bei der es so auf die Verhältnisse ankommt.

Mit Bernd fahre ich schließlich durch die typische winterliche Hochdrucknebelsuppe Richtung Jochberg, dem beliebten Almwanderberg zwischen Kochel- und Walchensee. An seinen nordseitigen Rinnen wird schon seit Jahrzehnten steiles Eis geklettert, lange bevor man dry-tooling und Monozacker kannte. Dort gibt es eine Vielzahl von moderaten und schwierigen Eisfällen und -rinnen zwischen 200 bis 500 Höhenmeter. Unsere Tour soll die moderate rechte Eisrinne sein: Schwierigkeit WI 3, Länge 300 Höhenmeter. Nach Kochel fahren wir die Kesselbergstraße hoch und lassen die Nebeldecke unter uns. Strahlendes Bergwetter erwartet uns. Am vorletzten Parkplatz vor dem Urfeldpass, dort wo das ganze Jahr keine Autos stehen, parken wir - neben den ca. 20 schon früher angekommenen Autos.

 

Durch ein Bachbett geht es in einer Viertelstunde zum Einstieg. Aufgrund der Vielzahl der langen Routen sind wir noch allein unterwegs. Schnell Hüftgurt und Steigeisen angezogen, Eisschrauben an den Gurt, Eisbeile in die Hände und los geht es. Über kurze steile Stufen und Schneestapfstrecken gewinnen wir schnell an Höhe. Das Sichern ist problemlos, das Eis ist in den letzten Wochen sehr gut gewachsen, manchmal findet sich an den Ständen sogar ein Bohrhaken.

 

 

 

 

 

Im mittleren Teil erwarten uns ein paar anspruchsvollere Stufen, keine ist aber höher als 15 Meter und steiler als 85 Grad. Hier stauen wir uns hinter zwei langsameren Seilschaften, zudem kommen von unten zwei weitere Partien nach, die überwiegend solo steigen.

An der schwierigsten Stufe entzerrt sich der Stau durch Vorbeilassen bzw. Vorbeimogeln. Danach wird das Gelände wieder leichter.

 

 

Durch steile Schneerinnen, über einen schmalen nahezu senkrechten Eisstreifen und einen verschneiten schrofigen Steilgrasausstieg erreichen wir schließlich den Wanderweg zum Jochberg. Eisiger Wind weht uns hier entgegen.

 

 

 

 

 

In einer knappen halben Stunde spazieren wir dann über den Wanderweg zum Gipfel. Unterwegs begegnen wir weiteren Seilschaften. Auf diesem häufig so überlaufenen Wanderberg sind heute die Wanderer eindeutig in der Unterzahl. Am Gipfel bleiben wir trotz der klaren Sicht nur kurz, denn es bläst ein eiskalter Sturm. Zum Glück waren wir in der Eisrinne im Windschatten.

Auf dem Rückweg suchen wir uns für eine kurze Rast noch ein windstilles Plätzchen in der Sonne. Insgesamt war es eine super Einsteigertour. Auch die Verhältnisse waren optimal. Am nächsten Tag hat es Plusgrade und es regnet. Das Eis muss eben geklettert werden, wenn es da ist.

Text: Stephan Mertens

Bilder: Stephan  Mertens und Bernd Hetzel