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Grandes Jorasses 4208 m - Normalweg

Die Südseite der Grandes Jorasses
Rifugio Grandes Jorasses (2804 m)

 

Matterhorn, Eiger und Grandes Jorasses, die Namen stehen für die drei berühmtesten Nordwände der Alpen. Für den weniger ambitionierten Bergsteiger werden diese Wände ein Traum bleiben. Aber auch die Normalwege zu diesen Gipfeln stellen anspruchsvolle Unternehmen dar.

Hütte
Der Gratkamm der Grandes Jorasses liegt im östlichen Mont-Blanc-Gebiet. Als Stützpunkt für die Ersteigung der Grandes Jorasses über den Normalweg bietet sich das Rifugio Grandes Jorasses (= Rifugio Boccalatte), CAI Torino, an. Die auf 2804m gelegene Hütte verfügt über 30 Lager und ist voraussichtlich von Mitte Juli bis Ende August bewirtschaftet. Allerdings sollte man sich über den aktuellen Zustand im Tal informieren.

 

Die letzten Meter zum Rifugio
Grandes Jorasses Normalweg

Hüttenaufstieg
Der Hüttenaufstieg beginnt bei Planpincieux im Val Ferret, ca. 5 km nordöstlich von Courmayeur gelegen.
Links der Kirche des Ortes zieht der Steig in nördlicher Richtung empor. Schon bald ist die Waldgrenze überschritten und man steigt über Grashänge zum Rand der Schlucht Torrent de Margueraz auf. Es folgt eine Bachüberquerung und über eine schrofige Felsstufe wird der obere Rand der Stufe erreicht. Eine Leiter und Fixseile erleichtern den Aufstieg etwas. Der weitere Weg führt über einen Moränenrücken empor. Am oberen Ende der Moräne quert man nach links und gelangt über eine plattige Wandstufe, dicke Fixseile erleichtern den Aufstieg, II, zum Rifugio.
Dieses scheint an der Felswand über den Glacier de Planpincieux wie „angeklebt“ zu sein.
Zwischen 3 und 4 Stunden sind für den Aufstieg einzuplanen.

Am Glacier de Planpincieux

Grandes Jorasses Normalweg
Im Rifugio ist die Nacht um 1 Uhr beendet.
Über Fixseile gelangt man hinter der Hüttenterrasse auf einen Felsrücken der zum Rognon de la Bouteille führt. Dieser Felsgrat trennt den Glacier de Planpincieux vom Glacier des Grandes Jorasses. Dem Wandfuß des Felsgrates weiter folgen, zuerst Firn dann Eis, bis zu dessen Ende am Gletscher.

Aufstieg zur Whymperrippe

Nun linkshaltend, ca. 300m über einen spaltenreichen Gletscher empor, zum unteren Ende der Reposoirfelsen. Vom Gletscher gelangt man über eine breite, mit losem Gestein durchsetzte Rinne zur Gratschneide. Anschließend dem griffigen Grat folgen, bis dieser im Gletschereis verschwindet.
Nun – im Aufstiegsinn – nach rechts den ungefähr 40 – 45° steilen Gletscherarm queren, zu einer Art Rinne in der Whymperrippe. Diese Rinne hinauf, bis man rechterhand in eine Gletschermulde queren kann. Dem verschlissenen Fixseil, welches sich in der Rinne befindet, sollte mit Vorsicht begegnet werden.

Wegen der Eisbalkone die Gletschermulde zügig nach Osten queren bis zu einem Firnhang. Über den Firnhang und dem nachfolgenden Grat zum Gipfel der Pointe Walker – 4208 m.

Für den Aufstieg sind 6-7 Stunden einzuplanen.

Mont Blanc (4807 m) im Morgenlicht
Am Jorasseskamm
Blick zum Matterhorn und zur Monte-Rosa-Gruppe
Pointe Walker (4208 m)
Querung des Gletscherarms Grandes Jorasses

Abstieg:
Es ist ratsam die Gipfelbrotzeit kurz zu halten, da mit zunehmender Sonneneinstrahlung der Firn auf der Südseite „faul“ wird und die Tragfähigkeit der Gletscherbrücken abnimmt. Ebenfalls können mit fortschreitender Sonneneinstrahlung die Eisbalkone über der Gletschermulde instabil werden. Dann ist es sinnvoll über die Whymperrippe abzusteigen.
Im Großen und Ganzen verläuft der Abstieg auf der Aufstiegsroute.

 

 

Schwierigkeiten
AD- (ziemlich schwierig); Eis bis 45°, teilweise Fels bis III-;

Zeit
Hüttenaufstieg: 3-4 Std. (1200 mH)
Gipfelaufstieg: 6-7 Std. (1400 mH)
Abstieg: 5 Std.

Literatur
Eberlein, Hartmujt. Mont-Blanc-Gruppe. 10. Aufl. München: Bergverlag Rother GmbH, 2005
Goedeke, Richard. 4000er, Die Normalrouten auf alle Viertausender in den Alpen. 12. Aufl.
München: Bruckmann Verlag bH, 2008

Alle Angaben ohne Gewähr
Text: Bernd Hetzel
Bilder: Stephan Mertens und Bernd Hetzel