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Der Dom

 

„Sollen wir oder lassen wir es lieber bleiben?“
„Vier Stunden nach oben hatschen, um dann in einer Nebelsuppe trübsinnig auf der Hütte zu sitzen!"

Doch eine günstige Wetterprognose für den nachfolgenden Tag gaben den Ausschlag: So packten wir – Rainer Eckenberger und Bernd Hetzel – Anfang August 2002 im schweizerischen Ort Randa unsere Rucksäcke und begannen mit dem Aufstieg. Mit gleichmäßigem Schritt stapften wir zwei Stunden empor. Serpentine reihte sich eintönig an Serpentine bis sich auf einmal der Weg in einer Felswand verlor. Endlich hatte die monotone Hatscherei ein Ende. Ein gemäßigter Klettersteig leitete uns durch die Wand und die leichte Kletterei machte den Aufstieg abwechslungsreicher und interessanter.

Nach insgesamt vier Stunden hatten wir unseren alpinen Stützpunkt, die 2940 Meter hoch gelegene Domhütte – Walliser Alpen – erreicht und richteten uns dort häuslich ein.

Plötzlich Licht und es kam Leben ins Lager: „Wo ist meine Hose? Ich find meine Socken nicht!“ Alles rüstete sich um drei Uhr morgens zum Aufbruch.

Nachdem man all seine Sachen beisammen hatte, das Frühstück heruntergeschluckt hat und die Kletterausrüstung angelegt war, begann der Aufstieg Richtung Dom. Lustig tanzten die Lichter der Stirnlampen in der Dunkelheit, als ob ein Glühwürmchen dem anderen folgt. Der Festigletscher bietete uns für die ersten 600 Höhenmeter ein „angenehmes“ emporsteigen. Unterhalb des Festijochs musste allerdings Hand an den Fels gelegt werden. Zur Erleichterung aller, waren aber die schwierigsten Stellen mit Fixseilen entschärft. Dennoch scheuerten die mit Steigeisen bewehrten Schuhe oftmals haltsuchend über den Fels.

Oben am Festijoch gab es für uns zwei Möglichkeiten des Aufstieges: Zum einen dem Festigrat folgen oder den Normalweg über den Hobärggletscher. „Na dann lieber über den abwechslungsreicheren Grat empor!“

Also stapften wir durch 25 cm Neuschnee, den bis zu 45 Grad steilen Grat hinauf.

Immer wieder „bissen“ unsere Steigeisen auf leicht vereisten Fels. Deshalb musste man höllisch aufpassen, um nicht unkontrolliert abzurutschen.

Auch unsere Kurzpausen wurden mit zunehmender Gipfelnähe immer häufiger – drei vier Schritte, Pickelschaft in den Schnee gerammt, kräftig durchgeschnauft und alles wieder von vorne. Doch nach sechs Stunden hatte der „Aufstiegskampf“ ein Ende.

4564 Meter hoch standen wir - der Gipfel des Doms ist erreicht.

Zu unseren Füßen lagen die Berggipfel der Walliser Alpen, wie Matterhorn, Weishorn oder Zinalrothorn.

Nach dem Verzehr der obligatorischen Gipfelvesper begann der Abstieg über den Hobärggletscher zum Festijoch. Teilweise versanken wir bis zu den Hüften im weichen Neuschnee. Müde, aber glücklich über die erbrachte Leistung fanden wir uns um 14 Uhr wieder auf der Domhütte ein.

Text und Bilder von Bernd Hetzel und Rainer Eckenberger