Sie sind hier: Service » Tourenberichte

Der Fornokessel - 13 Dreitausender in drei Tagen - August 2001

 

Ausgangspunkt für die geplante Hochtour war das Rifugio G. Casati in der südlichen Ortlergruppe. Diese 3254 m hoch gelegene Schutzhütte war Ausgangs- und Zielort unserer viertägigen Umrahmung des Fornokessels.

Der erste Tag bracht für uns - Wolfgang Kilian, Rainer Eckenberger und Bernd Hetzel - wenig erfreuliche Aussichten: Nebel, Windböen und eine Sichtweite von oftmals unter 20m. Es stellte sich uns jetzt die Frage:" Sollen wir die gemütliche, warme und sichere Hütte verlassen?" Kurz entschlossen packten wir unsere sieben Sachen und standen bald voll bepackt mit Rucksack, Steigeisen, Pickel und Seil auf dem Langenferner und stampften unserem ersten Ziel, dem Monte Cevedale (3769 m) zu.

Vom Cevedale folgten wir nun dessen Südgrat, der uns über den Monte Rosole (3529m), dem Palon de la Mare (3685m) zum Monte Vioz (3645m) leitete.

Während des Aufstieges zum Palon de la Mare war es wegen der vorhandenen Eisbrüche notwendig, die Gratschneide zu verlassen und in die weiten Gletscherflächen des Palon de la Mare zu queren.

"Nein rechts, Quatsch nach links müssen wir...!" Auf einmal wusste keiner mehr die Richtung und bei einer Sichtweite unter 20m hatten wir auch keine weiteren Orientierungsmöglichkeiten. Also Karte und Kompass zu rat ziehen. So erreichten wir doch sicher das Refugio Mantova del Vioz (3535m). Unserem zweiten Nachtlager.

Am zweiten Tag der Umrahmung herrschte zur Freude aller Kaiserwetter – endlich klare Sicht auf dessen, was am Vortag zu bewältigen war. Aber auch der weitere Weg der nächsten zwei Tage lag deutlich vor uns.

Der neue Tag brachte nun den schwierigsten Teil der Umrahmung: Kletterei im dritten Grad (vielleicht auch unterer vierter Grad), Firnflanken bis zu 45 Grad und eine etwas umständliche Abseilstelle und dies alles mit einem ca. 15 kg schweren Rucksack und mit klobigen Bollerschuhen an den Füssen.

Um zu unserem dritten Nachtlager dem Bivacco E. Meneghello (3452 m) zu kommen, mussten wir die Punta Taviela (3612 m), die Cima di Peio (3549 m) , die Rocca S. Caterina (3529m) und die Punta Cadini (3524 m) ersteigen.

Am Ende der zweiten Etappe wurde der Wunsch nach einem ruhigen und gemütlichen Schlafplatz und nach einer warmen Mahlzeit immer mächtiger.

Wieder um 5 Uhr aufstehen. Das Frühstück irgendwie reinwürgen und alles für die nächsten Kraxeleien vorbereiten.

Der Pizzo Tresero (3594 m) war unser letzter Drei-Tausender. Damit wir auf seinem Gipfel stehen konnen, mussten zuerst der M. Giumella (3594 m), die Punta S. Matteo (3678 m), die Cima Dosegu (3560 m) und die Punta Pedranzina (3599 m) erklommen werden.

Dass ein Seil auf dem Gletscher nicht nur zur Zierde an einem Bergsteiger hängt, zeigte Bernd während des Abstiegs vom Pizzo Tresore zum Rifugio C. Branca am Forno-Gletscher. Bis zur Hälfte war er verschwunden. "Naja, da gibt so ein Stück Seil einem doch etwas Sicherheit!"

Aber auch so mancher brisanter Fund aus dem I. Weltkrieg lässt einem das Blut in den Adern gefrieren – auch nach mehr als 80 Jahren immer noch brandgefährlich.

Mit dem erreichen des Rufugio C. Branca (2478 m) hatten wir 13 Dreitausender erstiegenund insgesamt ca. 3800 Höhenmeter bewältigt.

Am vierten Tag fanden wir uns wieder im Rifugio G. Casati ein.

Bernd Hetzel
Bilder 1, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 11 von Rainer Eckenberger
Bilder 2, 3, 7 von Bernd Hetzel