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Mehrtageswanderung in den Zentralpyrenäen vom 24.5. bis 2.6.2004

 

Die spanischen Pyrenäen rund um den Nationalpark "Ordesa y Monte Perdido" war schon zum zweiten Mal das Ziel unserer Mehrtageswanderung. Wir wohnten wieder im Hostal Casa Sidora in Laspuna(Huesca), einem kleinen Dorf in Aragon, unweit der französischen Grenze. Wie schon vor 3 Jahren hatten wir Erich, einen sehr ortskundigen und kompetenten Wanderführer, engagiert. Er hatte dieses Jahr wieder neun neue, beeindruckende Wanderungen ausgesucht.

Rundwanderung Rio Cinca - Badain. Von Laspuna den Rio Cinca aufwärts bis Badain, ein paar Häuser auf einem Hügel mit einer romanischen Kirche aus dem 16. Jhd.. Der Weg dorthin ist relativ eben, schmal, schattig und teilweise ausgesetzt. Nach der Überquerung der Barrancos Tornus und Bimbro erreichten wir nach 3 Stunden Badain am Zusammenfluß von Rio Cinca und Rio Irues. Auf einer Lichtung am Rio Irues ist Mittagspause. Danach geht es steil 350 m aufwärts durch Pinienwald. Nach kurzer Zeit verlassen wir den Wald und erreichen eine fast baumlose Hochebene. Hier führt der schattenlose Weg am Fuß des Pena Montanesa wieder zurück nach Laspuna.

Rundwanderung im Cañon de Anisclo. Vom Parkplatz an der alten romanischen Brücke Puente San Urbano über den Rio Vellos beginnt die Wanderung. Nach kurzer Zeit erreicht man die Felsenkirche San Urbano, die das Ziel einer jährlichen Romeria (Pilgerfahrt) ist. Auf einem bequemen Wanderweg geht es zuerst bergab, dann wird der Weg steiler und schmaler. Er windet sich 3 Stunden bergauf, immer am Ufer des Rio Vellos entlang, vorbei an mächtigen Wasserkaskaden, bis zu einer Höhe von 1200 m. Hier machten wir Rast. Den weiteren Anstieg schenkten wir uns, da wir den Weg bereits vor 3 Jahren machten und dieses Jahr noch einen neuen Pfad gehen wollen. Wir gehen zurück bis zur Eremitei, dann über eine neue Brücke, die uns auf engem Steig aufwärts zu einer verfallenen Kornwassermühle führt. Sie liegt inmitten einer Wildnis und war unter Francos Zeiten ein Lichtblick für die Bewohner, da man hier die Abgabepflicht für Landprodukte meist umgehen konnte. Nach einer halben Stunde erreichten wir wieder die Fahrzeuge.

Greifvogelroute. Die Rundwanderung beginnt bei Torrelisa, einem Weiler am Fuß des Pena Montanesa. Der Weg, ein alter Eselspfad, führt gemächlich ansteigend durch Wacholder-, Steineichen- und Pinienwälder. Vor uns die Felshänge des Pena Montanesa. Hinter uns wird der Blick frei auf die Landschaft der Sobrarbe mit der Sierra Guara, Spuren von ehemaliger Landwirtschaft und am Horizont die Reste der Klosteranlage San Victorian aus dem 6. Jhd.. Nach 2 Stunden erreichten wir den Weiler Oncins, wo es noch Reste ursprünglich ausgedehnter Terrassenfelder gibt. Weiter geht es durch einen verwachsenen Hohlweg bis zu einem Beobachtungsplatz in 1120 m. Hier machen wir Rast und beobachten Geier, Adler, Falken, Milane usw.. Zurück geht es auf einem schmalen Schotterpfad nach Torrelisa. Am frühen Nachmittag fahren wir weiter nach Ainsa, einem kleinen geschäftigen Ort, dessen Altstadt und Burg auf einem Hügel liegt. Die Altstadt ist wunderschön nach altem Vorbild restauriert und wird von vielen Betuchten aus den großen Städten als Zweitwohnsitz nach und nach aufgekauft. Nach einer Besichtigung der Altstadt und Burg fuhren wir zurück nach Laspuna.

In die Sierra Espierba. Ausgangspunkt ist Espierba auf 1400 m im Valle de Pineta. Steil bergauf führt der Weg durch Pinienwald. Nach 2 Stunden erreichten wir einen Kamm der Sierra Espierba zwischen dem Tozal Blanca und El Taller auf 1800 m. Die Aussicht und die Stille ist hier grandios. Im Süden das weite Pinetatal, im Westen die Tres sorores mit dem schneebedeckten Monte Perdido 3252 m und im Norden das karge, baumlose Tal des Rio Real. Wir gingen auf dem breiten Grat noch 150 m bergauf und machten hier Rast. Auf einem Forstweg ging es wieder zurück zu den Fahrzeugen.

Zum Punta Llerga. Das Dörfchen Saravillo war Ausgangspunkt einer Wanderung den Barranco Pineta aufwärts. Auf einem ehemaligen Eselspfad ging es durch Steineichen- und Buchsbaumwald bis wir am Pena San Miguel vom Mirador den Ausblick auf die Enchusaschlucht und die Dreitausender im Hintergrund bewundern können. Nach 3 Stunden erreichten wir über einen schmalen Steig die Collata Mateire in 1300 m. Nach einer Rast ging es abwärts zu den Autos. Am Nachmittag erläuterte Erich im Flößer-Freilandmuseum den Bau der riesigen Flöße und die Flößerei, der früheren Hauptbeschäftigung der Bewohner von Laspuna bis in die 60-er Jahre.

Zu den Rangern des Nationalparks in Tella. Nach sonnigen und warmen Tagen war es heute trüb und kalt. Das Programm wurde deshalb geändert und eine Wanderung ab Badain gemacht, bei der es auch ohne Aussicht nicht langweilig wurde. Nach einem ausgiebigen Regenfall mussten wir die Tour jedoch abbrechen. Wir fuhren nach Tella, wo die Nationalpark-Verwaltung ein Büro unterhält. Dort sahen wir einen Diavortrag in Überblendtechnik über den Nationalpark, der sehr gut gemacht und sehr interessant war. Danach wanderten wir zu drei romanischen Kapellen aus dem 11. bis 13. Jhd. Danach war Mittagspause und einigermaßen trocken fuhren wir zurück. In Laspuna angekommen strahlte wieder die Sonne, die uns bis zum Ende auch nicht mehr enttäuschte.

Rundwanderung von Plan - Serveto - Gistain. Der vorletzte Tag sollte unsere schönste Wanderung werden. Von Plan, einer Ortschaft, die durch die "Karawane der Frauen" bekannt wurde, wanderten wir durch den El Colet de Sin auf schmalen Steig bergauf. Immer am Felsen entlang, unter uns das Tal des Rio de Cinqueta. Unterwegs Tropfsteinhöhlen, querende Wasserfälle und ein atemberaubendes Panorama. Nach etwa 3 Stunden, kurz vor dem Abstieg nach Serveto ein unerwartetes Schauspiel. Mehr als 40 Geier boten eine regelrechte Flugschau direkt vor uns. Steinadler flogen direkt unter uns entlang des Tals und in den Höhlen und Abbrüchen der Felsen sahen wir Geier auf ihrem Horst. Ein paradiesischer Anblick! Nach ausgiebiger Mittagsrast ging es bei brütender Hitze nach Serveto, einem fast verlasse-nen Dorf. Der weitere Weg führte über Gistain nach Plan zurück.

Wanderung zur Fuen Santa. Am letzten Tag dieser unvergesslichen Tage veran-stalteten wir ein Grillfest bei der Fuen Santa, einer (für Laspuna) heiligen Quelle etwa 2 Stunden vom Ort entfernt. Erich und seine Frau Maria erzählten uns die wahre aber fast unglaubliche Geschichte dieser Quelle. Zu der Quelle gehört auch ein Bauernhaus, das noch in dem Zustand ist, wie es noch vor etwa 60 Jahren für die damaligen Bewohner üblich war. Auch eine Kapelle und ein neu erbauter Grillplatz vervollständigen den Platz. Essen und Trinken wurde mit dem Auto angefahren, der Rest der Gruppe erwanderte den Grillplatz. Nach kurzer Zeit rauchte es gewaltig und ein Duft von Knoblauch, Wurst und Lammfleisch ließ die Geschmacksnerven vibrieren. Wein und Wasser lag zum Kühlen in der heiligen Quelle und verlockte zum Trinken. Maria und einige Wanderinnen kümmerten sich um Salate und Nachtisch. Es wurde geschmaust und getrunken bis jeder dank der Köstlichkeiten und der Sonne satt und müde war. Spät am Abend ging es wieder zum Hotel zurück, etwas wehmütig, weil es unser letzte Tag war.