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Mehrtageswanderung im Nationalpark "Sibillinische Berge" in der Südmarche/Italien vom 8.-17. Juni 2002

Castelluccio (Umbrien)
Piano Grande (Umbrien)

 

Dieses Jahr haben wir uns wieder eine Region ausgesucht, die abseits der Touristenströme liegt.
Der Parco Nazionale dei Monti Sibillini bot alles was sich die 27 Bergwanderer wünschten. Ein Gebiet, in dem der Zauber der Natur, die Geschichte und Kultur dazu beigetragen haben, etwas Einzigartiges zu schaffen. Hier im Reich der mythischen Sibilla liegt der 70.000 ha große Nationalpark, und dort war auch unser Quartier.
In Montemónaco, in 1100 m Höhe am Fuß des Monte Sibilla, mit 2175 m der zweithöchste Berg der Südmarche.

Bereits am ersten Tag nach Ankunft wanderten wir rund um Castelluccio, einem geologisch einmaligen Hochplateau auf 1280 m, dem Piano Grande, wo im Sommer die besten Linsen Italiens wachsen und auf den umliegenden Hügeln Kühe und Schafe fast die einzigen Lebewesen sind. Leider war es an diesem Tag - wie meistens - nebelig, was aber den Reiz dieser wunderbaren Landschaft nur noch steigerte.
Castelluccio ein Dorf, wo nur noch einige wenige Einwohner ausharren, liegt wie ein Adlerhorst auf der Kuppe eines Hügels.

Dank der Abgeschiedenheit sind die Wiesen noch voll von seltenen Blumen. Am Nachmittag besichtigten wir die Kirche Santa Maria in Lapide aus dem 10 Jh. Nicht weit davon entfernt das Dorf Corbara, dessen Häuser direkt an und in die Felsen gebaut sind und wo es erste Anzeichen einer Wiederbelebung gibt. Ganz zaghaft werden die ersten Häuser renoviert und der Belag der schmalen Gassen erneuert.

Aufstieg zum Mte. Sibilla
Auf dem Gipfel des Mte. Sibilla

Bei "Kaiserwetter" sollte heute der 2175 m hohe Monte Sibilla erstiegen werden. Mit einem Kleinbus fuhren wir zum Rifugio Monte Sibilla (1540 m). Von hier aus ging es stetig bergauf bis zur Corona des Bergs. Nach einer kurzen "schlechten Wegstrecke" erreichten wir die Grotte der Sibilla und kurze Zeit später den Gipfel. Plötzlich zog Nebel auf, so dass wir die ausgiebige Gipfelrast verkürzen mussten. Wir traten also den Rückweg an und hofften, dass das Wetter aushält. Der Pfad über den Grat und zurück über die Corona verursachte manchem Gipfelstürmer doch einige Probleme, doch letztendlich erreichten alle wieder gesund, zufrieden und stolz das Rifugio. Auch das Wetter wurde wieder besser. Während des ganzen Tages war die Aussicht auf die nahe und entfernte Bergwelt phantastisch. Gegenüber erhob sich das Massiv des Monte Vettore mit 2476 m und am Horizont der Gran Sasso. Die Bergwiesen waren übersät mit seltenen Blumen wie wilden Pfingstrosen, Enzian, Orchideen und anderen Alpenblumen.

Der Abstieg vom Mte. Sibilla

Der Tag war lang und anstrengend, ein Grund dafür, dass wir im Bus doch recht müde waren. Das hielt sich jedoch nur bis zum Eintreffen im Hotel, wo vor allen anderen Dingen erst ein kühles Bier in der Bar "Zocchi" gezischt wurde. Nach ausgiebigem Plausch und gelöschtem Durst hieß es duschen und fertig machen fürs Abendessen.

Heute war Kultur angesagt. Aber wo soll man anfangen? Hier in den Marken ist das sehr schwer zu entscheiden. Das Land ist voll von Kulturschätzen aller Art. Wir beschränkten uns auf die Hauptstadt der Südmarche Ascoli Piceno und Offida, einem Ort, der typisch für die Region ist.

Ascoli Piceno - alte röm. Brücke
Offida, Stadtmauer
In der Gola dell'Ambro

Wo Berge und Bäche sind, gibt es auch zwangsläufig Schluchten und zwei davon standen auf unserem Programm: die Gola dell'Ambro und die Gola del Infernaccio. Den Ambro entlang ging es auf unwegsamen Pfad aufwärts und immer wieder über den Bach, wo sich die meisten mehr oder weniger nasse Füße holten. Eine anstrengende Tour, die außer der Wasserdichtheit der Schuhe auch die Kondition der Träger testete. Die Gola del Infer-naccio, die Höllenschlucht, war etwas weniger stres-sig, aber nicht weniger schön. Hier besuchten wir die Einsiedelei San Leonardo, die ein Mönch in mehr als 30 Jahren angeblich ganz alleine aufgebaut hat.

San Leonardo
Madonna dell'Ambro
Sentiero dei Mientitori
Sentiero dei Mientitori

Zum Abschluss wanderten wir auf den Spuren der Erntehelfer, auf dem Sentiero dei Mientitori, einem markierten Wanderweg, der rund um den Monte Vettore geplant ist. Der Weg führt durch Wälder und Wiesen und bietet jede Menge wunderschöner Ausblick.

Natürlich war der Einkehrschwung in der Trattoria "Leonardo" in Balzo ein Muss! In Anbetracht des Abschiedsessens am Abend im Hotel, wo es Forellen gab, hielten wir uns beim "Imbiss" einigermaßen zurück.

Mittagsimbiss
Ulla und Pietro

Aber nicht nur die Landschaft, sondern auch die kulinarischen Schmankerln wurden von uns gewürdigt. Im Hotel wurden wir bestens versorgt. Alle Speisen waren selbst-verständlich "alla Casalinga" und der Wein aus der Region war gut und preiswert. Der sogenannte Mittagsimbiss war italienisch überreichlich und brachte fast allen Probleme, am nächsten Tag wieder in die Wanderhose zu schlüpfen. In jeder Trattoria, bei der Weinprobe im Weingut Ciú Ciú, im Restaurant Leonardo oder im Restaurant Madonna dell'Ambro, überall wurden wir bewirtet, als ob wir schon seit Wochen keine feste Nahrung mehr bekommen hätten.

Das waren aber die einzigen negativen Aspekte der Reise. Pietro unser Wanderführer war in jeder Beziehung kompetent (mit Ausnahme der deutschen Sprache), Ulla unsere Dolmetscherin immer hilfsbereit und Carla und Linda, die Besitzerinnen des Hotels, stets freundlich. Als Fazit kann mit gutem Gewissen eine positive Bilanz gezogen werden. Nach der Cinque Terre, den Pyrenäen und dem Dachsteingebiet reihte sich die Südmarche lückenlos ein in rundum gelungene Wanderwochen im Ausland.