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Ein Taum in Weiß - Langlaufen im Bayerischen Wald


"Die Loipe wartet"

 

Die Gegend war mir weitgehend unbekannt, also warum nicht einmal zur Abwechslung dorthin zum traditionellen Skilanglauf-Trainingswochenende fahren. Trotz diverser Schwierigkeiten einiger Teilnehmer bei der Nahsuche waren alle pünktlich am Berggasthof Menauer in (850 m Höhe) bei Schwarzach.

Wie immer, Hanni Schuh war schon längst da und hat das Loipengebiet schon ausgekundschaftet. Am Ausgangspunkt der Loipe gab er ein „Briefing“ und schon stürzten sich 19 Langlaufbegeisterte in die bestens präparierte Spur.
Die Sonne schien am traumhaft blauen Himmel, die Schneekristalle glitzerten, bei ca. –8°C Frost wurde die Bewegung zur Notwendigkeit. Das blaue Hartwachs sorgte bei den Freunden das Wachsskis für den nötigen Abstoß. Bald ging es den Berg hinauf zum „Schuhfleck“, einer Wegkreuzung und Jutta Schmid als Ortskundige auf ihrer „Hausloipe“ wies den Weg in die Weiten des Gebietes.

Aufstieg zum Hirschenstein

Ein längerer meist wenig steiler Anstieg führte auf den Kammweg und dort in südliche Richtung. Unser erstes Ziel war die Besteigung des Hirschensteins (1095 m Höhe). Durch einen tief verschneiten Märchenwald stapften wir die letzten Meter hinauf, unter Bäumen mit mächtigen Reifbärten. Die Treppe im Aussichtsturm war weder geräumt noch gestreut, doch kein Hindernis bei dessen Ersteigung.Uns blieb die Luft weg – wegen der Aussicht. Tatsächlich waren die 150 km entfernten Alpen klar und deutlich auszumachen: Watzmann, Karwendelspitze, Grünten – zwei Autostunden von Fürth entfernt zu erblicken. Beim Blick zur Seite fielen Rachel, Lusen und großer Arber im Bayerischen Wald auf.

 

 

Fernblick
Die Sonne genießen

Anschließend musste das Hirschensteinmassiv auf einer kurzen Ringloipe umrundet werden, und an einem sonnigen Plätzchen trafen wir auf diejenigen, die die alpine Variante zur Bezwingung des Hirschensteins gewählt hatten.

"Der Schneehaufen bremste"

Weiter auf der Höhenloipe ging es nun bis nach St. Englmar hinunter, dachten wir zumindest. Auf der zwei Kilometer langen Gefällstrecke konnten wir die Skier laufen lassen und mussten auf plötzlich auftauchende Hindernisse schnell reagieren. Das Ende der Schussstrecke war an einem Schneehaufen erreicht, der einige Freunde gefunden hat, die sonst ungebremst durch den Ort geschossen wären. Doch wo blieb unsere Ortskundige? Wir ahnten es schon – sie hatte die Abkürzung genommen und ersparte sich damit den Aufstieg der Strecke, die wir gerade weltmeisterlich hinuntergefahren waren. Die Beine und die Arme wurden schwer und schwerer und groß war die Erleichterung, als wir zurück nach Grandsberg nur noch hinuntergleiten mussten. Vor dem Abendessen wurde in der Sauna noch der letzte Schweiß aus dem Körper gepresst und die Glieder angenehm entspannt. Ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zu den Jahren zuvor, als wir noch ohne Sauna auskommen mussten. Allein an der physiotherapeutischen Betreuung hapert es immer noch. Beim Abendessen und vor allem auch danach kümmerten wir uns um das leibliche Wohl und tauschten die Erfahrungen des Tages aus.
Ein Blick aus dem Fenster am folgenden Morgen – wo waren die ganzen Berge hin? 10 cm Neuschnee und schlechte Sicht. Es hilft nichts, wir sind schließlich zum Wintersport da. Nach allen Regeln der Kunst werden die Skier im Wachsraum präpariert. Zurück in der wohlgeformten Spur erwartete uns ein traumhafter Schnee, wie geschaffen für den Wachsski. Wir glitten hinunter zum Skizirkus von Kalteck (2 Lifte). Zwei Unentwegte spurten durch den frischen Schnee nach Lindenau, der große Rest ging auf demselben Weg zurück, bergauf zum Schuhfleck.

Ein schwereloses Gleiten

Nach einiger Zeit erreichten wir die Hirschenstein-Ringloipe und veranstalteten dort ein „Photo-Shooting“. Allerdings musste man bei der Auslöseverzögerung der Digitalkamera recht frühzeitig auf den Auslöser drücken, um die dynamische Langlaufbewegung unserer Skiläufer auf Bildpixel zu bannen. Zurück im Gasthof Menauer stärkten wir uns noch einmal und traten danach die Heimreise von einem gelungenen Langlaufwochenende an.

Text: Tilman Goerttler
Bilder: Bernd Hetzel