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Von Rissen und Piazen - Klettern im Granit - Juli 2003

Über Göschenen bei Andermatt erhebt sich der Salbitschijen (2981m). Zu ihm empor führen drei beeindruckende Grate, der West-, Süd- und Ostgrat. Der Westgrat, mit seinen mehr als 30 Seillängen ist eine äußerst ernste Unternehmung und bleibt daher schnellen, guten und sicheren Kletterern vorbehalten.

Takala 2. Seillänge, Heiko Fibranz

Eine etwas kürzere Tour, aber ebenfalls mit ernsten Charakter, ist der Südgrat. Eine Tour, die mit zu den schönsten Gratklettereien der Alpen zählt. Um zum Routeneinstieg unterhalb des "Zahns" zu gelangen, sind einige Höhenmeter durch ein erdiges Couloir zu überwinden. Will man dieses mühsame rutschige emporsteigen umgehen, bietet sich die Route "Takala" an. Sie stellt eine interessante Variante des Südgratzustieges dar. Die Führe "Takala" zieht links des Südgratzustieges durch die Flanke des "Zahns" empor. Bereits in der ersten Seillänge kann man die Reibungseigenschaften seiner Kletterpatschen testen. Es folgen weitere Reibungspassagen, gepaart mit Risskletterei und delikaten Durchstützaktionen.

Nach acht abwechslungsreichen Seillängen, bei denen der Schwierigkeitsgrad 5c beherrscht werden muss, stößt man am "Zahn" zur Südgratführe.

Piaztechnik ist hier gefragt 7. Länge / Südgrat
Ein Blick zurück / Südgrat

Mit der Besteigung der Sabitschijen-Nadel, die noch einmal Piaztechnik erfordert, findet die Kletterei nach insgesamt 20 Seillängen einen krönenden Abschluss. Soll die Tour nicht zu einer Tortur werden, ist es notwendig, klettertechnisch einer 5b gewachsen zu sein.
Nach zirka 7-Stündiger erfolgreicher Kraxelei, ist Euphorie über den Erfolg mit Vorsicht zu genießen. Denn der Abstieg zur gemütlichen Salbithütte beträgt weitere 2 Stunden und je nach Altschneelage kann der Abstieg schnell zur unkontrollierten Rutschpartie, mit den entsprechenden Folgen werden.

Der Ostgrat bietet, ebenso wie der Südgrat vielfältige Kletterei an ausgesetzten Gratstellen - 4c obligatorisch. Mit 13 Seillängen ist er jedoch kürzer als der vorher beschriebene Grat. Nur in der 8. Länge, der sogenannten "Bastion" ist ein kräftiges Hakenziehen (A0) angesagt. Ansonsten ist die Kletterei homogen verteilt und zwei "Gehstrecken" helfen, die Arme zu entspannen. Liegen die klettertechnischen Schwierigkeiten hinter einem und will man auf einen Gipfelerfolg nicht verzichten, ist noch ein 1,5-stündiger Aufstieg auf dem "Abstiegsweg" zu vollbringen.

Die Salbit-Nadel - Die letzte Länge
Bastion 8. Länge - Ostgrat
Geschafft - Bastion - Ostgrat
Die letzte Länge - Ostgrat
Vorletzte Länge / Piazen "Paralleler Ostgrat"

Sind einem die beiden beschriebenen Führen für den Einstieg in die Granitkletterei zu extrem, ist der "Parallele Ostgrat" eine gute Alternative. Diese 7-Seillängen-Tour besticht durch seine gemäßigten Schwierigkeiten - maximal 4b/c - und homogener Kletterei. Auch ist es nach der 5. Länge möglich, die Tour zu verlassen und ins Gehlände abzuseilen. Eine Führe zum Genießen.

Trotz aller Begeisterung für die hier geschilderten Klettereien, sei darauf hingewiesen, dass man sich im hochalpinen Gelände bewegt und eine dementsprechende Ausrüstung, Kondition, Planung und Vorsicht sowie alpine Fertigkeiten notwendig sind.

Als Stützpunkt empfiehlt sich die auf 2105m gelegene Salbithütte, deren Behaglichkeit und Verpflegung für einen Bergsteiger keine Wünsche übrig lässt. Auch ist der Hüttenwirt bei der Tourenplanung mit fachkundigen Ratschlägen gerne behilflich.

Führer:
    von Känel, Jürg. Schweiz - Plaisir Ost. Schweiz - Reichenbach: Editon Filidor , 2001

Text und Bilder: Bernd Hetzel
Bild 6: Heiko Fibranz